150 Jahre Hotel Belvedere – Ein Blick auf die Anfänge des Grand Hotels
Alles Grosse hat auch mal klein angefangen – so auch das Hotel Belvedere. Seine Geschichte beginnt nämlich nicht ganz dort, wo sich das Hotel heute befindet.

Wir sind in der Mitte des 19. Jahrhunderts – das Aufkommen des Kurtourismus im Unterengadin nimmt zu. Mehr und mehr sieht man Postkutschen, die Reisende über die Pässe ins Tal fahren und dabei oft eine Menge Staub auf den Landstrassen aufwirbeln. Das Geschäft mit dem Kurtourismus witternd, beginnen Geschäftstüchtige im Unterengadin mit dem Bau von Pensionen und Kurhäusern. So entsteht nahe der Mineralquellen 1865 das mit 175 Zimmer ausgestattete Kurhaus Tarasp. Ein Jahr zuvor kündigte Jon P. Könz die Eröffnung seines Hotels zum Piz Champatsch in Scuol an – heute unser Engadiner Boutique-Hotel GuardaVal.

Bereits 1858 liessen Anna Maria und Hermann Arquint-Rosler die Pension Belvedere am Kurpark errichten, das bald zu einer bekannten und sehr geschätzten Herberge wurde. Aufgrund des zunehmenden Raummangels lies die mittlerweile verwitwete Anna Maria Arquint-Rosler an der noch recht neuen Hauptstrasse (Stradun), 1875-1876 das neue Hotel Belvedere erbauen. Die Pension Belvedere blieb weiter bestehen und wurde später in Hotel du Parc umbenannt. Heute befinden sich im stark veränderten Gebäude, Büros der Gemeinde Scuol, eine Bibliothek und die Musikschule.

In den 1870er Jahren nahm der Tourismus im Engadin weiter an Fahrt auf und damit auch der Ausbau der Infrastruktur. Neue Strassen wurden errichtet, Kureinrichtungen entstanden wie beispielsweise die Trinkhalle in Nairs, die 1875/76 von einem einfachen Gebäude in eine repräsentative Einrichtung umgebaut wurde. Sie bot nebst der Ausgabe von Mineralwasser auch eine Orchesternische und kleine Ladengeschäfte in der Wandelhalle, um die Kurgäste an dem etwas abgelegenen Ort bei Laune zu halten. Aber auch der Hotelbau nahm kräftig zu. So entstanden in den Kurorten wie St. Moritz-Bad um 1875 gleich mehrere grosse Hotelbauten und in Scuol nebst dem Hotel Belvedere von 1875 bis 1876, das Hotel Post und das Hotel Quellenhof um 1873 sowie weitere kleinere Hotelbauten.

Das neue Hotel Belvedere war damals wie heute ein prächtiger Bau an bester und aussichtsreichster Lage mit einer, den modernen Anforderungen entsprechenden Ausstattung. Auch der Standort war bestens gewählt, so befand sich zwei Häuser weiter bei der heutigen Kantonalbank das Post- und Telegrafengebäude, wo die Postkutschen mit Reisenden ankamen und abfuhren und ein Pferde-Omnibus die Kurgäste komfortabel zur Trinkhalle in Nairs fuhr. Unweit entfernt, am heutigen Standort des Engadin Bad Scuol, eröffnete 1879 das Scuoler Badehaus. Und auch der Stradun entwickelte sich weiter zur beliebten Flaniermeile mit diversen Geschäften, Cafés und Restaurants.
Das alles konnte Anna Maria Arquint-Rosler, die mutige Gründermutter des Belvederes, jedoch nicht mehr lange miterleben – sie verstarb bereits im November 1876. Den Hotelbetrieb führte fortan ihr Sohn Conradin Arquint. Und das Belvedere – es wird in den folgenden 150 Jahren noch eine Menge erleben.